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Generalvollmacht: Muster und was jede Stelle verlangt

Stand:

Zuletzt aktualisiert am 11. Oktober 2026

Eine Generalvollmacht deckt nicht jede Angelegenheit ab, auch wenn der Name das nahelegt. In ärztliche Eingriffe darf der Bevollmächtigte nur einwilligen, wenn die Vollmacht schriftlich erteilt ist und diese Befugnis ausdrücklich nennt (§ 1820 Abs. 2 BGB). Für Erklärungen gegenüber dem Grundbuchamt genügt eine privatschriftliche Generalvollmacht nicht; dort ist die öffentliche Beglaubigung vorgeschrieben (§ 29 GBO). Testament und Eheschließung sind höchstpersönlich und lassen sich gar nicht übertragen. Im Übrigen ist eine Generalvollmacht auch ohne Notar wirksam, denn die Vollmacht bedarf grundsätzlich keiner Form (§ 167 Abs. 2 BGB).

Unten finden Sie den Mustertext mit wählbaren Zusätzen und danach, was die einzelnen Stellen vorgelegt haben wollen.

Mustertext Generalvollmacht zum Anpassen

Wählen Sie die Zusätze, die Ihre Vollmacht enthalten soll. Der Text wird nur in Ihrem Browser zusammengestellt; es werden keine Daten übertragen.





GENERALVOLLMACHT

Ich, [Vorname Name], geboren am [Geburtsdatum], wohnhaft in [Straße, PLZ Ort],

bevollmächtige hiermit

[Vorname Name], geboren am [Geburtsdatum], wohnhaft in [Straße, PLZ Ort],

mich in allen persönlichen und vermögensrechtlichen Angelegenheiten, in denen eine Stellvertretung gesetzlich zulässig ist, gerichtlich und außergerichtlich zu vertreten. Die Vollmacht umfasst insbesondere die Vertretung gegenüber Behörden, Gerichten, Sozialleistungsträgern, Versicherungen, Banken und Sparkassen, die Verwaltung meines Vermögens einschließlich der Verfügung über Konten und Depots, den Abschluss, die Änderung und die Kündigung von Verträgen einschließlich Miet- und Heimverträgen sowie die Entgegennahme, das Öffnen und das Anhalten meiner Post.

Die Vollmacht umfasst auch die Gesundheitssorge. Der Bevollmächtigte darf in Untersuchungen meines Gesundheitszustands, in Heilbehandlungen und ärztliche Eingriffe einwilligen, die Einwilligung verweigern oder widerrufen, auch wenn die begründete Gefahr besteht, dass ich aufgrund der Maßnahme oder ihres Unterbleibens sterbe oder einen schweren und länger dauernden gesundheitlichen Schaden erleide (§ 1829 Abs. 1 und 4 BGB). Er darf über eine freiheitsentziehende Unterbringung und über freiheitsentziehende Maßnahmen (§ 1831 BGB) sowie über ärztliche Zwangsmaßnahmen (§ 1832 BGB) entscheiden. Gegenüber dem Bevollmächtigten entbinde ich alle behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht.

Die Vollmacht gilt über meinen Tod hinaus.

Sollte trotz dieser Vollmacht eine rechtliche Betreuung erforderlich werden, wünsche ich, dass der Bevollmächtigte zum Betreuer bestellt wird.

Die Vollmacht ist jederzeit widerruflich. Der Bevollmächtigte handelt nur wirksam, solange er diese Vollmachtsurkunde im Original vorlegen kann.

[Ort], den [Datum]

______________________________
Unterschrift Vollmachtgeber


Der Mustertext dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Die Befreiung von § 181 BGB ist absichtlich nicht vorausgewählt; was sie bewirkt, steht im Abschnitt zu den Gefahren.

Welche Form verlangt welche Stelle?

Ob die privatschriftliche Generalvollmacht ausreicht, hängt von der Stelle ab, bei der sie vorgelegt wird. Maßgeblich ist jeweils die genannte Vorschrift.

Stelle Was vorliegen muss Rechtsgrundlage
Behörde (Bürgeramt, Jobcenter, Familienkasse) Schriftlicher Nachweis der Vollmacht auf Verlangen der Behörde § 14 Abs. 1 Satz 3 VwVfG
Zivilgericht (Amtsgericht ohne Anwaltszwang) Schriftliche Vollmacht, die zu den Gerichtsakten gereicht wird § 80 ZPO
Grundbuchamt Öffentlich beglaubigte oder notariell beurkundete Vollmacht § 29 GBO
Handelsregister Öffentlich beglaubigte Vollmacht für die Anmeldung § 12 Abs. 1 Satz 2 HGB
Bank oder Sparkasse Keine gesetzliche Formvorgabe; welche Form das Institut anerkennt, legt es selbst fest. Für einen Verbraucherkredit muss die Vollmacht die gesetzlichen Pflichtangaben enthalten, außer sie ist notariell beurkundet. § 492 Abs. 4 BGB
Arzt, Klinik, Pflegeheim Schriftliche Vollmacht, die ärztliche Maßnahmen, Unterbringung und Zwangsmaßnahmen ausdrücklich nennt § 1820 Abs. 2 BGB
Betreuungsgericht Wirksame Vollmacht; sie geht einer Betreuung vor § 1814 Abs. 3 BGB

Bevor Sie die Vollmacht verwenden, prüfen Sie:

  • Vollmachtgeber und Bevollmächtigter sind mit Vor- und Nachnamen, Geburtsdatum und Anschrift genannt.
  • Der Umfang lautet auf alle Angelegenheiten, in denen eine Vertretung gesetzlich zulässig ist, und zählt die wichtigsten Bereiche zusätzlich auf.
  • Ort, Datum und die eigenhändige Unterschrift des Vollmachtgebers stehen auf der Urkunde.
  • Das Original liegt beim Bevollmächtigten oder an einem Ort, den er kennt. Auf die Vollmacht darf sich ein Dritter nur verlassen, wenn ihm die Urkunde vorgelegt wird (§ 172 Abs. 1 BGB); der Bevollmächtigte nimmt deshalb das Original und seinen Personalausweis mit.
  • Für Grundbuch und Handelsregister ist ein Beglaubigungstermin beim Notar vereinbart. Die Betreuungsbehörde beglaubigt Unterschriften nur unter Vorsorgevollmachten (§ 7 Abs. 1 BtOG).

Ist eine Generalvollmacht ohne Notar gültig?

Ja. Nach § 167 Abs. 2 BGB braucht die Vollmacht nicht die Form des Geschäfts, für das sie erteilt wird. Eine handschriftlich unterschriebene Generalvollmacht ist damit wirksam. Die Form wird erst dort zur Frage, wo eine Vorschrift für den Nachweis gegenüber einer bestimmten Stelle mehr verlangt, wie § 29 GBO für das Grundbuchamt oder § 12 HGB für das Handelsregister.

Zwei Stufen sind zu unterscheiden. Bei der öffentlichen Beglaubigung bestätigt der Notar nur, dass die Unterschrift vom Vollmachtgeber stammt. Bei der notariellen Beurkundung liest der Notar die gesamte Urkunde vor und prüft die Geschäftsfähigkeit des Vollmachtgebers. Die Beurkundung ist nötig, wenn die Vollmacht auch für einen Verbraucherkredit ohne Pflichtangaben gelten soll (§ 492 Abs. 4 Satz 2 BGB). Jede Vorsorgevollmacht, auch eine privatschriftliche, kann im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer eingetragen werden (§ 78a BNotO); die Betreuungsgerichte können dieses Register einsehen, bevor sie über eine Betreuung entscheiden.

Wie lange ist eine Generalvollmacht gültig?

Eine Generalvollmacht hat kein gesetzliches Ablaufdatum. Sie gilt, bis sie widerrufen wird oder bis das Rechtsverhältnis endet, auf dem sie beruht (§ 168 Satz 1 BGB). Wer eine Befristung möchte, schreibt das Enddatum in die Urkunde.

Mit dem Tod des Vollmachtgebers erlischt die Vollmacht im Zweifel nicht, weil auch der zugrunde liegende Auftrag fortbesteht (§ 672 BGB). Damit ein Dritter das nicht aus dem Auftragsverhältnis ableiten muss, enthält der Mustertext die Geltung über den Tod hinaus als ausdrücklichen Zusatz. Nach dem Tod können die Erben die Vollmacht widerrufen.

Die Vollmacht ist nach § 168 Satz 2 BGB jederzeit widerruflich. Einen Verzicht auf dieses Widerrufsrecht erkennt die Rechtsprechung bei einer Generalvollmacht nicht an. Wichtig ist die Urkunde: Solange der Bevollmächtigte das Original vorlegen kann, darf ein gutgläubiger Dritter auf die Vollmacht vertrauen (§ 172 Abs. 2 BGB). Der Vollmachtgeber muss die Urkunde deshalb nach dem Widerruf zurückverlangen (§ 175 BGB). Wie der Widerruf schriftlich formuliert wird, steht auf der Seite zum Widerruf einer Vollmacht.

Welche Gefahren hat eine Generalvollmacht?

Die Vollmacht wirkt im Außenverhältnis unbeschränkt. Was der Bevollmächtigte im Namen des Vollmachtgebers erklärt, bindet diesen auch dann, wenn es intern nicht abgesprochen war. Daraus ergeben sich vier Risiken:

  • Missbrauch ohne Aufsicht. Anders als ein Betreuer muss ein Bevollmächtigter dem Betreuungsgericht keine Rechnung legen. Besteht ein konkreter Verdacht, kann das Gericht einen Kontrollbetreuer bestellen (§ 1820 Abs. 3 BGB).
  • Geschäfte mit sich selbst. Ohne Befreiung darf der Bevollmächtigte keine Verträge zwischen dem Vollmachtgeber und sich selbst schließen (§ 181 BGB). Mit Befreiung kann er etwa Vermögen auf sich übertragen. Die Befreiung gehört deshalb nur in eine Vollmacht für eine Person, der der Vollmachtgeber in dieser Hinsicht vertraut.
  • Kreditaufnahme. Eine notariell beurkundete Generalvollmacht berechtigt auch dazu, im Namen des Vollmachtgebers einen Verbraucherkredit aufzunehmen (§ 492 Abs. 4 BGB).
  • Verlorene Urkunde. Eine Urkunde, die nach dem Widerruf nicht zurückgegeben wird, kann weiter vorgelegt werden. Sie lässt sich durch das Amtsgericht für kraftlos erklären (§ 176 BGB).

Begrenzen lassen sich diese Risiken über eine schriftliche Absprache im Innenverhältnis, über die Pflicht zur gemeinsamen Vertretung durch zwei Bevollmächtigte (Muster: gemeinschaftliche Vollmacht) oder über eine auf bestimmte Bereiche beschränkte Gattungsvollmacht.

Was eine Generalvollmacht nicht abdeckt

Höchstpersönliche Geschäfte nimmt das Gesetz von jeder Vertretung aus. Ein Testament kann nur der Erblasser selbst errichten (§ 2064 BGB), die Ehe nur in persönlicher Anwesenheit geschlossen werden (§ 1311 BGB).

Für Ehepartner gilt seit 2023 ein eigenes Notvertretungsrecht in Gesundheitsangelegenheiten (§ 1358 BGB). Es greift nur, wenn der andere Ehegatte bewusstlos oder krankheitsbedingt nicht handlungsfähig ist, und endet spätestens nach sechs Monaten. Für Vermögensfragen gibt es kein gesetzliches Vertretungsrecht unter Ehegatten. Wie eine Vollmacht unter Ehegatten für Behörde, Gericht und Bank aussieht, zeigt das Muster Vollmacht für Ehepartner.

Generalbevollmächtigter im Unternehmen

Im Geschäftsverkehr bezeichnet der Generalbevollmächtigte eine Person, die eine Generalvollmacht für ein Unternehmen hält. Anders als die Prokura (§§ 48 bis 53 HGB) ist die Generalvollmacht gesetzlich nicht eigens geregelt und wird nicht in das Handelsregister eingetragen. Ihr Umfang ergibt sich allein aus der Urkunde. Für Anmeldungen zum Handelsregister braucht auch der Generalbevollmächtigte eine öffentlich beglaubigte Vollmacht (§ 12 Abs. 1 Satz 2 HGB).