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Zuletzt aktualisiert am 23. September 2026
Ein Unfall im Straßenverkehr, ein Wasserschaden in der Mietwohnung, eine fehlerhafte Operation – Schadensfälle können uns im Alltag immer wieder begegnen. Oftmals ist es mit der Feststellung des Schadens aber nicht getan. Die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen kann zeitaufwendig, nervenaufreibend und komplex sein. Wenn Sie sich etwa wegen Verletzungen, Krankheit oder Zeitmangel nicht selbst um die Angelegenheit kümmern können, hilft eine Schadensersatzvollmacht. Mit ihr bevollmächtigen Sie eine Vertrauensperson, Ihre Rechte wahrzunehmen und für Sie Schadensersatz zu verlangen.
Dieser Beitrag erklärt die rechtlichen Grundlagen, den Inhalt einer solchen Vollmacht und häufige Fragen; ein Mustertext zum Kopieren ist enthalten.
Was ist eine Schadensersatzvollmacht und wann brauchen Sie sie?
Eine Schadensersatzvollmacht ist eine besondere Art der Vollmacht, die es einer anderen Person (dem Bevollmächtigten) erlaubt, in Ihrem Namen (Sie sind der Vollmachtgeber) Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Der Bevollmächtigte kann dann in Ihrem Auftrag alle notwendigen Schritte einleiten, um den Schaden zu regulieren:
- Verhandlungen führen: Mit der Gegenseite, der Versicherung, Gutachtern und anderen Beteiligten
- Schriftverkehr erledigen: z. B. Schreiben an die Versicherung, an den Unfallgegner, an Behörden
- Dokumente einreichen: z. B. Schadensmeldungen, Gutachten, Rechnungen
- Zahlungen entgegennehmen: z. B. die Schadensersatzzahlung von der Versicherung
Typische Anwendungsfälle:
- Verkehrsunfälle: Der Bevollmächtigte kann z. B. die Reparatur des Fahrzeugs organisieren, mit der gegnerischen Versicherung verhandeln und Schmerzensgeld geltend machen.
- Vertragsverletzungen: z. B. bei Mängeln an einer gekauften Ware, nicht erbrachten Leistungen oder Stornierungen
- Produkthaftung: z. B. bei Schäden durch fehlerhafte Produkte
- Schadensfälle im Mietrecht: z. B. bei Mietmängeln, Mietschäden oder Streitigkeiten mit dem Vermieter
- Patientenschäden: z. B. bei Fehlern in der medizinischen Behandlung
Wann ist eine Schadensersatzvollmacht sinnvoll?
- Gesundheitliche Gründe: Wenn Sie aufgrund von Verletzungen oder Krankheit nicht in der Lage sind, sich selbst um die Schadensregulierung zu kümmern.
- Zeitmangel: Wenn Sie beruflich stark eingespannt sind oder aus anderen Gründen keine Zeit haben, sich um die Angelegenheit zu kümmern.
- Komplexität des Falls: Wenn der Schadensfall rechtlich komplex ist und Sie sich professionelle Unterstützung wünschen.
- Emotionale Belastung: Wenn Sie die Auseinandersetzung mit dem Schadensfall als belastend empfinden und sich lieber von einer Vertrauensperson vertreten lassen.
Vorteile einer Schadensersatzvollmacht
- Entlastung: Sie übergeben die Schadensregulierung an eine Vertrauensperson und müssen sich nicht selbst um jeden Schritt kümmern.
- Professionelle Unterstützung: Sie können einen Rechtsanwalt bevollmächtigen. Andere Personen dürfen Ihre Ansprüche nur durchsetzen, wenn sie dies unentgeltlich im Rahmen familiärer, nachbarschaftlicher oder ähnlich enger persönlicher Beziehungen tun oder nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz anderweitig dazu befugt sind (§§ 3, 6 RDG).
- Flexibilität: Sie können den Umfang der Vollmacht genau auf Ihren Fall abstimmen.
- Kontrolle: Der Bevollmächtigte handelt in Ihrem Namen und ist an Ihre Weisungen gebunden; Sie können die Vollmacht jederzeit widerrufen.
- Fachkundige Vertretung: Ein Rechtsanwalt kennt die üblichen Schadenspositionen und kann Ihre Interessen gegenüber Versicherung und Gegenseite fachkundig vertreten.
Wie erteilen Sie eine Schadensersatzvollmacht? Schritt für Schritt
- Form: Gesetzlich ist keine Form vorgeschrieben (§ 167 Abs. 2 BGB), die Schadensersatzvollmacht sollte aber schriftlich erteilt werden. So vermeiden Sie Missverständnisse, und der Bevollmächtigte kann die Vollmacht vorlegen, etwa gegenüber der Versicherung. Im Gerichtsverfahren ist die Vollmacht schriftlich zu den Gerichtsakten einzureichen (§ 80 ZPO).
- Inhalt: Die Vollmacht sollte folgende Punkte enthalten:
- Ihre Daten: Vollständiger Name, Geburtsdatum, Anschrift
- Daten des Bevollmächtigten: Vollständiger Name, Geburtsdatum, Anschrift
- Umfang der Vollmacht: Genaue Beschreibung der Aufgaben, die der Bevollmächtigte übernehmen soll (z. B. „Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegenüber Herrn X aus dem Verkehrsunfall vom TT.MM.JJJJ“)
- Befristung: Optional können Sie die Vollmacht zeitlich befristen oder an eine Bedingung knüpfen.
- Unterschrift: Ihre eigenhändige Unterschrift
- Mustervollmacht: Nutzen Sie die folgende Mustervollmacht als Vorlage und passen Sie sie an Ihren Fall an:
Hiermit bevollmächtige ich, vollständiger Name, Geburtsdatum, Anschrift des Vollmachtgebers,
Herrn/Frau vollständiger Name des Bevollmächtigten, Geburtsdatum, Anschrift,
mich in allen Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen aus dem Schadensereignis, z. B. Verkehrsunfall vom Datum gegenüber Name der Gegenseite und deren Haftpflichtversicherung zu vertreten.
Der/Die Bevollmächtigte ist insbesondere berechtigt:
- Schadensersatzansprüche geltend zu machen,
- Verhandlungen mit der Versicherung und anderen Beteiligten zu führen,
- Vergleichsvereinbarungen zu schließen,
- Zahlungen entgegenzunehmen,
- bei Personenschäden: Auskünfte und Behandlungsunterlagen bei den behandelnden Ärzten und Kliniken anzufordern; insoweit entbinde ich diese gegenüber dem/der Bevollmächtigten von der ärztlichen Schweigepflicht,
- alle notwendigen rechtlichen Schritte einzuleiten und entsprechende Dokumente zu unterzeichnen.
Ort, Datum
Unterschrift
Wichtig: Bei komplexen Fällen oder hohen Streitwerten ist es ratsam, einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Kommt es zum Prozess, gelten besondere Regeln: Vor dem Landgericht und höheren Gerichten besteht Anwaltszwang (§ 78 ZPO); vor dem Amtsgericht dürfen Nichtanwälte nur in den Grenzen des § 79 Abs. 2 ZPO vertreten, etwa volljährige Familienangehörige unentgeltlich.
Was sollte der Bevollmächtigte beachten?
- Treuepflicht: Der Bevollmächtigte ist verpflichtet, Ihre Interessen zu wahren und im Rahmen der Vollmacht Ihre Weisungen zu befolgen.
- Sorgfaltspflicht: Er muss die ihm übertragenen Aufgaben mit der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt erledigen (§ 276 BGB).
- Haftung: Er haftet Ihnen gegenüber für Schäden, die durch fahrlässiges oder vorsätzliches Fehlverhalten entstehen.
- Auskunft und Herausgabe: Er muss Ihnen die erforderlichen Nachrichten geben, auf Verlangen Auskunft über den Stand erteilen und nach Abschluss Rechenschaft ablegen (§ 666 BGB). Zahlungen, die er für Sie erhält, muss er an Sie herausgeben (§ 667 BGB).
- Originalvollmacht: Bei einseitigen Erklärungen wie einer Mahnung, Fristsetzung oder einem Rücktritt sollte er die Originalvollmacht beifügen; sonst kann die Gegenseite die Erklärung nach § 174 BGB unverzüglich zurückweisen.

FAQ
Muss die Schadensersatzvollmacht notariell beglaubigt werden?
In der Regel nicht, denn eine Vollmacht ist grundsätzlich formfrei (§ 167 Abs. 2 BGB). Eine öffentliche Beglaubigung ist nur in Ausnahmefällen nötig, etwa für Erklärungen gegenüber dem Grundbuchamt (§ 29 GBO).
Kann ich die Vollmacht widerrufen?
Ja, Sie können die Vollmacht jederzeit widerrufen (§ 168 Satz 2 BGB). Eine Form ist dafür nicht vorgeschrieben, zum Nachweis empfiehlt sich aber die Schriftform. Teilen Sie den Widerruf dem Bevollmächtigten und gegebenenfalls der Gegenseite mit und verlangen Sie die Vollmachtsurkunde zurück (§ 175 BGB).
Kann ich mehrere Personen bevollmächtigen?
Ja, Sie können auch mehrere Personen bevollmächtigen. In der Vollmacht sollten Sie dann festlegen, ob die Bevollmächtigten gemeinsam oder einzeln handeln dürfen.
Welche Unterlagen sollte ich dem Bevollmächtigten übergeben?
Um dem Bevollmächtigten die Arbeit zu erleichtern, sollten Sie ihm alle relevanten Unterlagen zum Schadensfall übergeben, z. B.:
- Schadensbeschreibung
- Fotos, Gutachten, Rechnungen
- Korrespondenz mit der Versicherung
- Polizeiberichte
- Ärztliche Atteste (bei Personenschäden)
Was kostet es, eine Schadensersatzvollmacht erstellen zu lassen?
Eine selbst erstellte Schadensersatzvollmacht kostet nichts. Beauftragen Sie einen Rechtsanwalt, richtet sich seine Vergütung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG), meist nach dem Gegenstandswert, oder nach einer Vergütungsvereinbarung.
Wie lange ist eine Schadensersatzvollmacht gültig?
Wenn Sie keine Befristung festgelegt haben, gilt sie, bis Sie sie widerrufen oder ihr Zweck erledigt ist. Sie können die Vollmacht auch bis zu einem bestimmten Datum befristen oder an eine Bedingung knüpfen.
Checkliste Schadensersatzvollmacht
- Vollmacht schriftlich erstellen
- Daten von Vollmachtgeber und Bevollmächtigtem angeben
- Umfang der Vollmacht klar definieren
- Vollmacht unterschreiben
- Relevante Unterlagen an den Bevollmächtigten übergeben
Zusätzliche Tipps
- Wählen Sie den Bevollmächtigten sorgfältig aus und achten Sie darauf, dass er Ihr Vertrauen genießt und die notwendige Kompetenz besitzt.
- Informieren Sie sich über die rechtlichen Grundlagen und die möglichen Risiken einer Schadensersatzvollmacht.
- Lassen Sie sich im Zweifel anwaltlich beraten.
Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.